Geschichte

Wandel als Chance - Beständigkeit braucht Veränderung

Im Februar 2014 ist unter Federführung der Ordinariatsdirektorin und Leiterin des Ressorts "Bildung", Frau Dr. Sandra Krump, das Projekt "Zukunft St. Michael" gestartet worden. Ziel war es, das Studienseminar St. Michael zu einem attraktiven, qualitativ hochwertigen und zukunftsweisenden katholischen Bildungsstandort weiterzuentwickeln, an dem christlicher Geist spürbar wird. In St. Michael sollen Menschen nicht kopflastig, sondern ganzheitlich, mit Herz, Hirn und Hand, gebildet werden. Sie sollen sich hier wohlfühlen, Lebensfreude spüren, Gemeinschaft erleben, ihre Talente und Fähigkeiten entdecken und ausprobieren, schulischen Erfolg erreichen und nachhaltig inspiriert werden, ihren persönlichen Weg ins Erwachsenenleben zu finden.

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Seither stellen wir fest, dass die Diskussion über eine zeitgemäße Jungenpädagogik nicht nur uns bewegt, sondern auch viele Eltern, Lehrkräfte, Pädagogen/innen und auch Erziehungs-beauftragte.
Den Kontakt zu St. Michael suchen inzwischen auch Initiativen, die von unseren Aktivitäten zur Bewahrung der Schöpfung erfahren haben. Sie möchten sich ebenso wie wir auf einen nachhaltigen Lebensstil hin ausrichten und zeigen Interesse daran, diesen Weg gemeinsam mit Anderen zu gehen. Der "Permakultur-Gemeinschaftsgarten" und das "Repair-Café" sind aktuelle Beispiele dafür. Weitere Projekte werden folgen.

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Wir sind überzeugt, dass St. Michael auch in Zukunft Strahlkraft haben wird. Und wir sind dankbar dafür, dass wir von vielen Seiten dazu die nötige Unterstützung erfahren.
Mit unserer Neuausrichtung knüpfen wir an eine bewährte Tradition unseres Hauses an: die Zeichen der Zeit zu erkennen, auf der Grundlage des christlichen Glaubens Sinn stiftende Antworten zu finden und jungen Menschen Mut zu machen, für das Gute in der Welt einzutreten.

Seminardirektor Wolfgang Dinglreiter

Gründung im Jahr 1929

Es war eine mutige Entscheidung! Im Jahr 1929 entschloss sich die Erzdiözese München und Freising mitten im Chiemgau auf der Wartberghöhe in Traunstein ein Jungeninternat, das Studienseminar St. Michael, zu bauen. Mitten in der Weltwirtschaftskrise, als die Gesellschaft in stark rivalisierende politische Lager gespalten und die Demokratie noch nicht bei den Bürgern angekommen war, setzte die Kirche ein starkes Zeichen für christliche Bildung. Viele junge begabte Menschen, für die nur die Volksschule vorgesehen war, erhielten die Möglichkeit, die allgemeine Hochschulreife zu erwerben. Zum einen wollte man dadurch Priesterberufungen fördern, zum anderen Menschen befähigen, anschließend durch Studium und Beruf wichtige Leitungspositionen zu übernehmen und so Gesellschaft im christlichen Geist mitzugestalten. Zugleich hat die Gründung des Bildungsstandortes St. Michael erheblich dazu beigetragen, dass sich Traunstein zu einer großen Schulstadt entwickeln konnte.

Der Nationalsozialismus

brachte für das Studienseminar beträchtliche Veränderungen. Schon 1939 wurde eine Verordnung erlassen, mit der alle Jungen Mitglied bei der "Allgemeinen Hitlerjugend" werden mussten.
In kirchlichen Einrichtungen gelang es hin und wieder, die Umsetzung solcher Entscheidungen etwas hinauszuzögern. So auch in St. Michael, wo zwei Jahre lange keiner der Jugendlichen der Hitlerjugend beitrat. Dann musste der Widerstand aufgegeben werden. Die Einschüchterungen waren zu heftig, ebenso das Risiko einer Schließung.

Der Zweite Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Haus beschlagnahmt. Wegen der ständig steigenden Zahl an Verwundeten wurden die Räume nun als Lazarett genutzt.
Als in den letzten Kriegsmonaten Millionen von Flüchtlingen ihre Heimat verlassen mussten, wurde das Gebäude nach Kriegsende als Lager für Bessarabiendeutsche verwendet.
Der Erzdiözese stand St. Michael somit längere Zeit nicht als Studienseminar zur Verfügung. Die Intention des Hauses wurde dennoch nicht aufgegeben. Allerdings mussten die Schüler in verschiedenen kirchlichen Häusern, aber auch bei Privatpersonen untergebracht werden.

Steigende Nachfrage und bauliche Verbesserungen

Als das Gebäude im Dezember 1945 wieder bezogen werden konnte, stieg die Zahl der Seminaristen spürbar an. Die Höchstzahl wurde in den 1970er Jahren mit ca. 180 Jungen erreicht. Die Räumlichkeiten waren nun voll ausgenutzt, die Schlaf-, Studier- und Aufenthaltsräume "bis auf den letzten Platz" gefüllt. Es mussten sogar zwei Sonntagsgottesdienste angesetzt werden.

Aufsicht und Erziehung

Die Erziehungsaufgaben wurden unter der Leitung des jeweiligen Direktors mit zwei bis drei Präfekten geleistet. Diese hatten jeweils bis zu 60 Jungen zu beaufsichtigen. Wegen dieser Gruppengröße war es nur eingeschränkt möglich, sich dem Einzelnen und seiner persönlichen Entwicklung zu widmen. Die Aufsicht stand im Vordergrund, begleitet von ersten Lernhilfe-Angeboten, zu denen auch Seminaristen der höheren Jahrgangsstufen herangezogen wurden.
Für die religiöse Bildung und Begleitung waren Spirituale verantwortlich, die auch Einkehrwochenenden organisierten und - je nach Person - einen guten persönlichen Kontakt zu den Jungen aufbauen konnten.
Wer sich nicht an die strenge Hausordnung hielt, musste bald mit einem Verweis, im Wiederholungsfall mit einem Ausschluss rechnen. Aber auch mangelnder Lernerfolg war ein Grund dafür, dass Seminaristen nach ein oder mehreren Jahren das Internat verließen.
Ein wesentliches Charakteristikum bildeten bereits damals die ausgeprägten Gemeinschafts- und Freizeitangebote. Besonders beliebt waren u. a. die Berg- und Skitage sowie die zahlreichen gemeinsam gefeierten Feste im Jahreskreis und Kirchenjahr. An diese Feierlichkeiten erinnern sich viele ehemalige Seminaristen auch heute noch gerne.

Schule und Internat

Da alle Seminaristen das gleiche Gymnasium besuchten, waren sie bis zur Jahrtausendwende in gemeinsamen Gymnasialklassen zusammengefasst. Dies erleichterte es den Präfekten, zu den Klassenlehrern regelmäßigen Konatkt zu halten und die Lernhilfen auf die wichtigen Prüfungstage auszurichten.

Geistliche Schwestern als "helfende Hände"

Für die vielfältigen Aufgaben in der Hauswirtschaft waren großteils geistliche Schwestern zuständig. Ihr Aufgabengebiet umfasste die Bereiche Küche und Speisesaal, Kirche und Sakristei, Reinigung der Räumlichkeiten, Garten- und Blumenpflege, Konservierung von Obst und Gemüse für den Winter, Dienste an der Pforte, Betreuung der Kranken, teilweise auch die Reinigung von Wäsche, da die Seminaristen bis zu drei Wochen durchgehend im Internat lebten.
Unterstützt wurden die Schwestern von meist alleinstehenden Frauen, denen in einem Nebentrakt auch Unterkunft und Verpflegung geboten wurden.

Modernisierung des Gebäudes

In den 1990er Jahren erkannte man die Notwendigekit, groß angelegte Umbaumaßnahmen vorzunehmen. Dabei wurden die Schlafsäle aufgelöst und an deren Stelle Mehrbettzimmer mit eigenen Sanitäranlagen eingerichtet.
Durch diese Aufwertung des Standards musste die Zahl der Seminaristen weiter verkleinert werden. Gleichzeitig nahm die Dichte höherer Schulen im ländlichen Raum zu. Deshalb sank die Zahl der Seminaristen bis zum Jahr 2000 auf rund 50.

Pädagogische Veränderungen

Der Wandel der Zeit brachte es mit sich, dass ab etwa 1980 schrittweise auch die Pädagogik des Hauses neu ausgerichtet wurde. Innerhalb der Kirche wurden in intensiven Prozessen "die Zeichen der Zeit" engagiert diskutiert und dabei die kirchliche Jugendpastoral neu definiert. Dies wirkte sich auch auf die kirchlichen Internate und Jugendeinrichtungen aus. 1982 wurde mit Johann Etzelsbeck der erste nichtpriesterliche Präfekt angestellt. Parallel mit diesen und anderen Neuerungen öffnete sich das Studienseminar zunehmend nach außen.
Seit 2015 steht mit Wolfgang Dinglreiter erstmals ein nichtpriesterlicher Direktor an der Spitze des Studienseminars.

Das Zweite Vatikanische Konzil

brachte zuerst in zahlreichen Heimatpfarreien der Seminaristen, dann auch in St. Michael eine gewissen Aufbruchstimmung mit sich. Damit war die Aufgabe verbunden, christliche Erziehung und christliches Leben in einer zunehmend säkularisierten Welt zeitgemäß zu vermitteln und glaubwürdig vorzuleben. Diesem Anspruch stellen sich die Mitarbeiter/-innen von St. Michael bis heute mit viel persönlichem Engagement.
Der Anteil jener, die sich für den Priesterberuf entschieden, lag in der Vergangenheit bei etwa 10-15%. Andere engagierten sich als Laien ehrenamtlich in Pfarreien, kirchlichen Organisationen, in der Kirchenmusik u. a.

Papst Benedikt XVI. und das Studienseminar St. Michael

Der Erzbischof von München und Freising und spätere Kardinal Joseph Ratzinger besuchte in den Jahren 1939 bis 1945 das Gymnasium in Traunstein und war in dieser Zeit Seminarist im Studienseminar. Deshalb fühlte er sich dem Haus auch in späteren Jahren sehr verbunden.
Mit Urkunde vom 9. Februar 1982 errichtete er für dieses Haus die Stiftung "Erzbischöfliches Studienseminar St. Michael, Traunstein". Nach seiner Berufung als Präfekt der Glaubenskongregation nach Rom, verbrachte er bis zu seiner Wahl zum Nachfolger des Hl. Petrus jährlich vom Stefanstag bis Epiphanie erholsame Tage in St. Michael.
Auch in jüngster Zeit hat er noch aufmerksam daran Anteil genommen, wie sich das Studienseminar weiter entwickelt.
An das Leben und Wirken des heute emeritierten Papstes Benedikt XVI. erinnert in St. Michael eine eigene Ausstellung sowie das sechsstimmige Glockengeläut, das anlässlich seiner Wahl durch Spenden finanziert wurde.

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